01-01-2026 // 01:42am

wie vieles andere auch war silvester als kind magisch. es war etwas besonderes bis mitternacht wach bleiben zu dürfen, auch wenn es jedes jahr ein kampf mit sich selbst war. bleigiessen, luftschlangen, papiertröten. man zählt die sekunden zum neuen jahr. was heute nur noch kommerz ist, war damals magie auf die man sich tagelang gefreut hatte. aber auch silvester blieb vom älter werden nicht verschont. irgendwann war es normal jedes wochenende bis 3 uhr nachts vor'm pc zu hängen, & feuerwerk sowie alles andere drum herum war in meinen augen nur noch der traurige versuch von grosskonzernen zum jahresende nochmal die zahlen nach oben zu pushen. ohne dass ich es gemerkt hatte, war jegliche magie an silvester erloschen.

es ist dunkel. wenn ich mich anstrenge kann ich noch die rauchschwaden der letzten silvesterraketen erkennen, während irgendwo in der distanz noch vereinzelt welche den himmel kurz aufschimmern lassen. das knistern & knallen hallt noch durch meinen leeren kopf. schon wieder ein ganzes jahr vorbei. je älter ich werde, desto mehr scheint die zeit an mir vorbeizufliegen. das lässt sich wissenschaftlich belegen, weil sich neue erfahrungen länger & intensiver anfühlen, aber je älter man wird, desto weniger neues erlebt man. zumindest habe ich das mal so gehört. aber selbst wenn ich versuche mich auf neue erlebnisse & erfahrungen die ich dieses jahr gemacht habe zu fokussieren, dann fühlen selbst diese sich schnelllebig & kurz an. ein ganzes jahr ist schon wieder vorbei. 365 tage. & ich habe wieder nichts geschafft.

auch ohne diese magie habe ich immer versucht an silvester etwas besonderes zu sehen. ich wollte silvester selbst diese magie verleihen. ich wollte aus dem vergangenen jahr lernen, mit hoffnung in ein neues schreiten. jedes jahr habe ich auf ein enttäuschendes & trauriges jahr zurückgeschaut & mir gesagt, dass das kommende besser werden wird. aber ich glaube wenn man wieder & wieder & wieder von der selben enttäuschung gehittet wird, dann erlischt auch irgendwann die kraft zu hoffen. egal wie sehr ich es versucht habe, irgendwann war der punkt erreicht, an dem ich aufgegeben hatte. silvester war für mich nur noch ein trauriger tag, an dem ich auf ein jahr zurückgeblickt habe, das noch enttäuschender war als das zuvor. & so sehr ich auch an dem gedanken festgeklammert habe, dass es irgendwann nicht schlimmer werden kann, so wurde es doch jedes jahr auf irgendeine weise schlimmer. wenn ich so darüber nachdenke, fühlt sich das auch magisch an. nur nicht im positiven sinne.

meine augen sind zugeschwollen & brennen. meine gedanken überschlagen sich. ich bin so leer & doch so voll. ich wünsche mir so sehr, dass das nächste jahr mehr für mich bereit hält. aber darauf hoffen kann ich irgendwie nicht mehr. es ist ruhig. vereinzelt reisst ein bellender hund durch die stille. ich hasse menschen. ich bin müde. vom weinen. vom leben. vom reinen existieren. ein neues jahr hat begonnen. & auch wenn jahreszahlen keinerlei bedeutung haben, weil zeit so oder so in jedem einzelnen moment passiert, fühlt sich ein jahresumbruch immer gravierend an. weil menschen so ein gravierendes ereignis daraus gemacht haben. weil man mit diesem gedanken grossgezogen wird. selbst wenn ich versuche diesem feiertag seine bedeutung zu nehmen & ihn wie jeden anderen tag anzusehen, was er faktisch auch ist, selbst dann schaffe ich es nicht mich nicht von diesem tag brechen zu lassen. denn während menschen draussen feiern ein weiteres jahr geschafft zu haben, breche ich alleine weinend zusammen ein weiteres jahr überlebt zu haben.